Der Ort Schevenhütte in der Gemeinde Gressenich ist nicht nur wegen seiner Naturschönheiten, seines Freibades und seiner alten Industriebetriebe weit über die Grenzen des Landkreises Aachen bekannt.. Bekannt und geschätzt sind auch die Bruchsteine, die aus Schevenhütte stammen und die besonders nach dem Zweiten Weltkrieg Verwendung bis über die Grenzen der Bundesrepublik gefunden haben.
Der Schevenhüttener Stein aus den quarzitischen Sandschieferschichten des unteren Salm läßt sich zu Bauzwecken verwenden. Schon sehr früh muß man das erkannt haben, denn Dokumentenfunde in Grundsteinen alter Häuser, die mit diesem Stein gebaut wurden, zeigen Jahreszahlen des 14. Jahrhunderts. Ein Steinbruchbetrieb hat sich damals in Schevenhütte aber nicht entwikkelt, da man nur dann eine Gewinnung vornahm, wenn ein Bedarf vorlag; dieser war zunächst sehr gering. Erst seit einigen Jahrzehnten gelangen die Steine über die nächste Umgebung hinaus. Es entwickelte sich dann auch ein Betrieb.
Es ist wohl mehr dem gefälligen Aussehen des Devonschiefers als seiner Eignung als Baustein zu verdanken, daß die Steine einen großen Kreis von Abnehmern finden. Die Verladung des Steines bis nach Süddeutschland und ins westliche Ausland ist keine Seltenheit mehr.
Der Steinbruchbetrieb hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem großen Unternehmen entwickelt, wie wir es in seiner Art sonst kaum kennen. Wir finden neben den Arbeitern vor Ort, den Steinmetzen und Steinsägern, Kraftfahrer, die den Stein mit betriebseigenen Lastwagen den Kunden zuführen, sowie Kraftfahrer für die im Bruch befindlichen Spezialmaschinen. Schlosser sowie eigene Elektriker sind verantwortlich für die Wartung der Maschinen.
Die bergmännische Seite des Betriebes, die Gewinnung, erfolgt am nördlichen und südlichen Stoß des Bruches. Die Schichten werden durch Schießen der Stöße gewonnen. Die Schüsse lösen die Schichten lediglich aus ihrem Verband. Auf diese Weise wird eine weitgehende Zerstörung des Schiefers verhindert. Der so gewonnene Stein wird mehreren Arbeitsprozessen unterworfen.
Der Arbeiter vor Ort sondert den Stein für die Verarbeitung je nach Eignung (Form, Farbe, Festigkeit und Größe) aus und veranlaßt den Transport der jeweiligen Steingattung zu dem für die weitere Verarbeitung bestimmten Platz. Seine Hauptbeschäftigung besteht aber darin, den Stein, der für eine weitere Bearbeitung nicht geeignet ist, für Trockenmauern, Mauersteine und Schrittplatten zu spalten. Unter Trockenmauern verstehen wir Platten, die eine ungefähre Dicke von drei bis fünf Zentimetern haben und einen Durchmesser von etwa 30 bis 80 Zentimetern aufweisen. Schrittplatten sind besonders gefällige Trockenmauerstücke, die an Dicke und Durchmesser die Qualität der Trockenmauersteine überschreiten.
In der Art der Bearbeitung des Steines durch den Steinmetz finden wir einen Hauptgrund für die Beliebtheit des Schevenhüttener Natursteines. Der Steinmetz gibt dem Stein eine gänzlich neue Note. Als Werkzeug dient lediglich ein Preßlufthammer mit einigen auswechselbaren Spitzmeißeln. Der brauchbare Stein wird mittels dieser Lufthämmer behauen, wobei in der Hauptsache nach Vorlage gearbeitet wird. Die Steinmetze fertigen Blumenschalen für Gräber und Gartengestaltung, Fensterbänke und -stürze sowie Treppenabdeckungen, Steinsockel (sogenannte Hammerrechte) und Randsteine für die Begrenzung von Gartenwegen. Der Arbeiter muß sich genau an die Maße halten, denn der Stein in seiner Eigenart soll in ihm ungewohnte Formen gebracht werden, ohne aber seinen Charakter als Naturstein zu verlieren. Nur gute und sauber arbeitende Fachkräfte werden für die viel Geschick erfordernde Grabsteinherstellung eingesetzt.

Steinmetz bei der Arbeit
Besonders regelmäßige, farb- und formschöne Steinplatten werden für die Grabsteinherstellung zurückgelegt. Wir unterscheiden den behauenen und unbehauenen Grabstein. Der unbehauene Stein wird an der Stehseite abgegradet, sonst aber unberührt gelassen. Die anfallenden Findlinge werden sofort bearbeitet und im angrenzenden Waldstück zur Ansicht aufgestellt. Die Größen der Findlinge sind unbegrenzt, sei es für Einzelgräber, Doppelgräber oder Gruften. Findet der Steinmetz unter den Findlingen einen besonders dicken und dazu gut geaderten, so schält er von der Oberfläche eine Schicht ab, wobei er ein Kreuz stehen läßt. Dieses Kreuz ist dann fest mit dem Stein verwachsen und wirkt dadurch besonders sauber.
Die Schmuckstücke unter den Grabsteinen sind jedoch die behauenen. Der Steinmetz braucht für die Fertigstellung eines solchen mehrere Tage. Er bedient sich einer Schablone, mit der er die Form auf den Stein aufreißt. Sie ist das einzige Hilfsmittel, von dem er nun ausgehend an die Bearbeitung geht. Der Stein wird an der Ansichtsfläche und an der Rückseite tief eingehauen, bis die gezogenen Kerben sich auf einer Linie treffen, die äußere Form damit angedeutet ist und die überfälligen Teile aus dem Weg ge
räumt werden können. Nun beginnt die Feinarbeit. Alle unregelmäßigen Stellen werden mit dem Lufthammer ausgeglichen und abgerundet. Die Stehseite wird von einer Steinsäge glatt geschnitten. Am Schluß wird, zu jedem Grabstein passend, ein Sockel gefertigt.
Die Beschriftung des Steines wird auch im eigenen Betrieb vorgenommen. Man bedient sich hierzu der Gold- und Bronzeschrift. Die Buchstaben werden mit Metallstiften in den Stein eingelassen. Anschließend füllt man die Löcher mit Steinkitt. Der Buchstabe sitzt unlöslich am Stein fest.
Eine weitere Bearbeitung erfährt der Devonschiefer an der Steinsäge. Die Verarbeitung der Steinplatten für Sockel und Wandbekleidung ist die zuletzt eingeführte Gestaltung, die wir erst seit mehreren Jahren kennen.
Steinbruch bei Schevenhütte
Mit Hilfe eines hydraulischen Hebegerätes befördert man den Stein auf den Sägetisch. Dort wird er mit Holzkeilen festgelegt. Das Sägeblatt, getrieben durch einen Elektromotor, ist durch hydrauliche Vorrichtungen senk- und schwenkbar. Es wird aus Stahl hergestellt, und an den stumpfen Ecken sind winzige Diamantsplitter angebracht. Die Sägerichtung verläuft mit der Längsaderung des Steines, das Abtrennen eines Streifens wird in drei Schnittstufen bewerkstelligt. Das Blatt wird laufend mit Wasser gekühlt, um ein festfressen des Stahlblattes zu vermeiden. Zum anderen spült das Wasser den entstandenen Steinstaub ab. Die abgetrennten Streifen werden auf Böcke geladen, bis eine genügende Menge für die Kürzung vorhanden ist. Diese Böcke werden nun in Querlage in verschieden große Klötze geschnitten. (etwa 20 bis 70 Zentimeter und länger). Diese Klötze werden nun gespalten. Der Stein wird an den vier glatten Seiten mit einem Meißel angerissen. Es fallen Platten von einer Stärke von zwei bis drei Zentimetern ab. Ein Klotz bringt im Normalfall drei bis vier Platten, je nach Aderung und Qualität des Steines. Diese rauhen Steinplatten werden dann noch an einer Seitenfläche pitschiert, daß heißt winkelrecht gehauen. Diese Arbeit wird von Hand aus mit Hammer und Meißel verrichtet. Das sogenannte Riemchen ist damit fertig. Als Eckstein findet das Riemchen noch eine besondere Verwendung und daher auch eine besondere Bearbeitung. Der gekürzte Steinblock wird mit Hilfe eines um 45 Grad zum Schnitt stehenden Anschlags geteilt. Diese Blöcke werden wiederum gespalten, und mit Steinkitt werden die Platten rechtwinklig aneinander geklebt. Die Größe der Riemchen ist sehr verschieden.
Das Riemchen findet seine Verwendung für die
Verkleidung von Haussockeln und Mauern, zur Denkmalherstellung sowie in der
Innenarchitektur bei der Gestaltung von Kaminen und Wintergärten.
Außerdem benutzt man es heute schon zur Auslegung von Wegen und zur
Verkleidung von Hausfronten.
Den im Bruch anfallenden Schutt lädt man in Kübel, die neben jedem Arbeitsplatz stehen. Die Behälter werden dann mit Spezialtraktoren auf eine Halde geschüttet. Dieses Material verwendet man in Braunkohlengruben bei Weisweiler und im angrenzenden Forst zur Wegbereitung.
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Literaturhinweis:Auszug aus "Heimatblätter des
Landkreises Aachen, 22. Jahrgang Heft 4 (Dezember 1966)
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